Risiken reduzieren

Wie du Risiken am Aktienmarkt reduzierst

In unserem Text über Risiken beim Investieren haben wir bereits erklärt, welche Arten von Risiko du beim Investieren in ETFs eingehst. Wer sich ausführlich mit möglichen Risiken beschäftigt, erträgt Wertschwankungen meist besser, weil er sie versteht. Beim Investieren in Aktien-ETFs kannst du Risiken drastisch reduzieren, wenn du ein paar Dinge beachtest. Wie das geht, erklären wir in diesem Text.

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Was du wissen solltest
  • Das unternehmens-, branchen- und länderspezifische Risiko kannst du komplett wegdiversifizieren, indem du dein Vermögen breit streust.
  • Das Marktrisiko trägt jeder, der an der Börse Geld anlegt. Wer nicht nur breit diversifiziert, sondern auch über einen langen Zeitraum Geld anlegt, gleicht so in der Regel Schwankungen aus.
  • Die Regression zum Mittelwert beschreibt die Tendenz von Kursen, sich langfristig anzunähern. Beim MSCI World tendieren die Kurse im Jahrzehnteverlauf zu ca. 7% Jahresrendite.

Risiken reduzieren

Nur knapp jeder siebte Deutsche investiert in Aktien und Fonds. Woran das liegt? Viele schrecken vor dem Investieren zurück, weil sie es als Zockerei abtun. Die Bedenken sind nicht unbegründet: Rendite gibt es nur mit Risiko. Du solltest das beim Anlegen im Hinterkopf behalten und das Risiko klug steuern. Wir zeigen dir, mit welchen Strategien du genau das erzielst. 

Es gibt 2 Arten von Risiko: a) das Marktrisiko und b) das unternehmensspezifische Risiko. Die Marktrendite und das Marktrisiko (auch Beta genannt) lassen sich nicht wegdiversifizieren. Möchtest du darüber hinaus auch das Marktrisiko und die Schwankungen des Aktienmarktes reduzieren, funktioniert das nur, indem du zu deinem Portfolio risikofreie Anlagen (Tagesgeld, Festgeld oder sichere Staatsanleihen) mischst. 

Das unternehmensspezifische (oder auch Einzelaktien-) Risiko lässt sich aber durchaus reduzieren. Und diese Reduktion ist das einzige “free lunch”, welches du an der Börse bekommen kannst, denn du büßt dadurch keine Rendite ein im Vergleich zu Einzeltiteln. Du gewinnst durch Risikoreduktion sogar Rendite bemessen an der durchschnittlich zu erwartenden Entwicklung (expected return).

Breit investieren – Diversifikation

Das unternehmens-, branchen- und länderspezifische Risiko kannst du komplett wegdiversifizieren, indem du dein Vermögen breit streust. Statt auf wenige Einzelaktien zu setzen, also auf einen oder mehrere weltweit gestreute ETFs. So läufst du nicht Gefahr, dass der Wert deines Portfolios bei der Insolvenz eines Unternehmens, der wirtschaftlichen Schieflage einer Nation oder Region oder dem Sinkflug einer Branche einbricht. 

Selbst DAX-Unternehmen wie Volkswagen oder Wirecard haben radikal an Wert verloren, als der Abgasskandal (VW) bzw. die Bilanzfälschung und Insolvenz (Wirecard) herauskamen. Bei kleinen Unternehmen sieht es da nicht besser aus. Auch Gesetzesänderungen (z. B. Steuergesetze) oder technologischer Fortschritt (z. B. Wasserstoffantrieb) haben Auswirkungen auf den Aktienmarkt. 

Diesem Risiko kannst du gegensteuern, indem du breit diversifiziert, z. B. mit Welt-ETFs. Diversifizieren bedeutet, einfach breit zu streuen. Je mehr du diversifiziert, desto weniger volatil ist der Verlauf deines Portfolios, denn umso weniger fallen Einzelwerte ins Gewicht. Du profitierst also von der Rendite des Markts, ohne unternehmensspezifische Risiken zu tragen. Am besten ist eine Diversifikation auf mehrere Hundert bis Tausend Unternehmen aus verschiedenen Branchen, Ländern und Kontinenten – so erzielst du die maximale Diversifikation. Das Weltportfolio nach Gerd Kommer eignet sich gut dafür. Mehr dazu erfährst du in unseren Ratgebern zum Thema Anlagestrategie.

Das allgemeine Marktrisiko kannst du nie komplett wegdiversifizieren – es liefert dir ja die Rendite, auf die du beim Investieren zielst. Hier vergleichen wir den Wertverlauf der drei großen DAX-Einzelaktien Fresenius, Siemens und BMW mit dem MSCI ACWI IMI. Die Volatilität der drei Einzelwerte ist deutlich höher. Mit dieser Einheit misst man das Risiko einzelner Kurse, kann also ablesen, wie stark sie in ihren Schwankungen vom Standard abweichen. Auch die Rendite ist in unserem Beispiel beim MSCI ACWI höher. Du hättest also bei weit weniger Risiko mehr Gewinn gemacht!

Fresenius, Siemens, BMWDAX-IndexMSCI ACWI IMI
Drei deutsche Large Cap-Aktien40 deutsche Large Cap-AktienCa. 8.600 Aktien aus über 40 Ländern
Sehr schlecht diversifiziertMittelmäßig diversifiziertMaximal diversifiziert
2002 (Crash-Jahr)-42,4%-43,9%-17,3%
200349,8%37,1%36,2%
20040,8%7,3%16,9%
200525,0%27,1%12,1%
200623,9%22,0%21,5%
200715,6%22,3%11,7%
2008 (Crash-Jahr)-43,6%-40,4%-42,0%
200926,2%23,8%37,2%
201054,3%16,1%14,9%
2011-2,0%-14,7%-7,4%
201224,7%29,1%17,0%
201324,2%25,5%24,2%
20149,2%2,7%4,4%
201532,3%9,6%-1,7%
20169,7%6,9%9,0%
2017-8,9%12,5%24,6%
2018-29,0%-18,3%-9,6%
201915,2%25,5%27,0%
2020-13,4%3,5%16,8%
20214,3%11,1%15,4%
Rendite, nominal5,2% p.a.5,6% p.a.8,7% p.a.
Volatilität27,7%24,4%19,8%
Max. kumulat. Verlust-55,5%-43,9%-42,0%
Quelle: Eigene Berechnungen, 2021

Du siehst: Eine Diversifikation hätte sich hier eindeutig ausgezahlt. Das Marktrisiko trägst du so zwar weiterhin, doch das trägt jeder Anleger. Dabei hilft nur ein langer Zeithorizont.

So kannst du das Marktrisiko kontrollieren:

Langfristig investieren

Du solltest nur den Teil deines Vermögens in ETFs investieren, den du in den nächsten rund zehn Jahren, besser noch 15, nicht unbedingt benötigst. So kannst du Krisenzeiten aussitzen. In Zeiträumen von 10 bis 15 Jahren hat man damit bisher so gut wie immer positive Rendite gemacht. Wenn du jedoch nicht sicher bist, ob du das Ersparte doch in den nächsten fünf Jahren brauchen könntest, solltest du nicht in Aktien-ETFs investieren. 

Selbst breit aufgestellte ETFs wie der MSCI ACWI IMI-Index (ca. 8.600 Aktien aus über 46 Ländern) haben im Jahresverlauf sehr unterschiedliche Renditen bzw. Verluste eingefahren – vor allem Wirtschaftskrisen lassen sich daran gut ablesen:

KalenderjahrDurchschnittliche Rendite des MSCI ACWI IMI
2002 (Crash-Jahr)-17,3%
200336,2%
200416,9%
200512,1%
200621,5%
200711,7%
2008 (Crash-Jahr)-42,0%
200937,2%
201014,9%
2011-7,4%
201217,0%
201324,2%
20144,4%
2015-1,7%
20169,0%
201724,6%
2018-9,6%
201927,0%
202016,8%
202115,3%
Quelle: Eigene Berechnungen, 2021

Hier erkennst du: Die Kurse schwanken teils sehr stark. Von 2002 bis 2021 erzielte der MSCI ACWI IMI im Durchschnitt allerdings gut 8,7% Rendite pro Jahr. 

Seit der Wirtschaftskrise 2008 hat sich die Situation erholt und die Kurse liegen deutlich über den Höchstkursen von damals. Doch es gibt immer wieder starke Einbrüche, wie jüngst in der Corona-Krise. Deshalb ist es wichtig, dass du überlegst, auf welche Summe du langfristig verzichten kannst. 10 bis 15 Jahre sind ein guter Zeitraum. So kannst du zwischenzeitliche Börsenflauten aussitzen bzw. von den niedrigen Kursen profitieren. Im schlimmsten Fall könnte dir deine Anlage sonst einen Strich durch deine Lebenspläne machen: Wenn du das Geld brauchst und mit großem Verlust verkaufen musst, ist das sehr ärgerlich.

Wer Geduld aufbringt und mit langem Anlagehorizont Geld investiert, profitiert von einem statistischen Effekt: der Regression zum Mittelwert. Wir erklären das Phänomen am Beispiel des MSCI World. Diese Grafik zeigt, dass sich die Rendite bei Welt-ETFs immer stärker dem Mittelwert annähert, je länger du deine ETFs hältst.

Die Regression zum Mittelwert

Regression zum Mittelwert
Risiko reduzieren: Regression zum Mittelwert. | Bild: Finanzfluss

Für diese Grafik haben wir im Zeitraum zwischen 1969 und 2018 MSCI-World-Portfolios vergleichen. Auf der Y-Achse siehst du die Performance, also die Jahresrendite. Auf der X-Achse siehst du die Haltedauer, “1 Jahr” zeigt also Portfolios an, die den MSCI World nur ein Jahr lang gehalten haben. “40 Jahre” zeigt Portfolios, die Anleger 40 Jahre lang gehalten haben, an.

Die rote Kurve zeigt die Entwicklung der Portfolios mit der schlechtesten Performance bei der jeweiligen Haltedauer von einem bis 40 Jahren. Die grüne Kurve die Portfolios mit der bestmöglichen Performance bei einer Haltedauer von einem bis 40 Jahren. Die blaue Kurve zeigt die mittlere Entwicklung eines MSCI World-Portfolios in der jeweiligen Haltedauer. 

Du siehst: Je kürzer ein MSCI World-Portfolio gehalten wurde, desto größer ist die Bandbreite an möglichen Renditen. 39,1% Rendite sind das bestmögliche Ergebnis, das du mit einem Investment erzielt hättest, wenn du zum perfekten Zeitpunkt in den MSCI World investiert hättest und den ETF nur ein Jahr lang gehalten hättest.

Der Worst Case aller Portfolios mit der Haltedauer von einem Jahr liegt bei -42,1% Verlust. Wichtig: Diesen Verlust hätten Anleger wettgemacht, wenn sie den MSCI World gehalten hätten. Denn: Der Worst Case bei einer Haltedauer von 40 Jahren liegt bei satten +6% plus pro Jahr, also ganz nah am Mittelwert von 6,9%. Selbst im aller-ungünstigsten Fall hätte man ab ca. 12 Jahren Haltedauer die Negativrendite überwunden und nach 15 Jahren 1,2% Rendite p.a. eingefahren. Nur ein zusätzliches Jahr später wären es schon 1,2% Rendite gewesen. Buy and hold lohnt sich also statistisch gesehen.

Schauen wir uns als Beispiel die mögliche Performance aller Portfolios mit einer Haltedauer von 5 Jahren an: Hier hättest du als Anleger im schlechtesten Fall -4,8% Verlust pro Jahr eingefahren, im besten Fall +24,8 % Rendite pro Jahr. Nach 10 Jahren im schlechtesten Fall -2,2% Verlust und im besten Fall +15,8% Rendite. Und so weiter. Bis zu den Portfolios mit der in der Grafik längsten Haltedauer: Hier hättest du im besten Fall +8% Rendite gemacht und im schlechtesten Fall +6% Rendite, es besteht im Vergleich zu kurzen Haltedauern also gar kein großer Unterschied mehr.

So werden überdurchschnittliche, aber auch unterdurchschnittliche Renditen ausgeglichen. Achtung: Das gilt nur für längere Zeiträume ab ca. 10 Jahren. Der Effekt nimmt ab, je kürzer der Betrachtungszeitraum ist.

Nun verstehst du, warum es klug ist, ETFs mit einem mittel- bis langfristigen Zeithorizont und breit diversifiziert anzulegen. Ab einem Anlagehorizont von 15 Jahren hättest du sogar im Worst Case, wenn du also zum allerschlechtesten Zeitpunkt eingestiegen wärst, keinen Verlust eingefahren. Ein anderes Beispiel, das diesen Sachverhalt illustriert, ist das DAX-Rendite-Dreieck, das langfristiges Anlegen in den deutlich wenig diversifizierten DAX abbildet.

Risikobewusstes Investieren lohnt sich

Wie du siehst, gibt es keinen Grund, aus Angst vor Wertschwankungen nicht anzulegen. Es bleibt immer ein Restrisiko, das du nicht wegdiversifizieren kannst. Deshalb raten wir dir, nur so viel Geld anzulegen, wie deine persönliche Risikotragfähigkeit es zulässt. Die Dimension variiert je nach Alter, Lebensabschnitt, Einkommen und persönlichem Befinden.

Mit der sogenannten Asset Allocation bestimmst du das Gewicht der risikofreien und risikobehafteten Anlageklassen innerhalb deines Portfolios. Wie du deine persönliche Risikotragfähigkeit in eine Strategie umsetzt, beschreiben wir in unserem Ratgeber zum Thema Risikoprofil

Häufig gestellte Fragen

Wie kann ich Risiken bei ETFs reduzieren?

Was bedeutet Diversifikation bei ETFs?

Was ist die Regression zum Mittelwert?