Fondsdomizil

Fondsdomizil bei ETFs

Das Fondsdomizil eines ETF bezeichnet das Land, an dem der Fonds angesiedelt ist. Geht man durch die Listen der in Deutschland üblicherweise angebotenen ETFs, haben erstaunlich viele ETFs Luxemburg oder Irland als Fondsdomizil angegeben – andere sind dagegen in Deutschland angesiedelt. Warum ist das so? Ist das Fondsdomizil (noch) ein wichtiges Entscheidungskriterium, wenn es um die Auswahl eines ETFs geht?

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Was du wissen solltest
  • Das Fondsdomizil eines ETFs lässt sich üblicherweise an der Internationalen Wertpapierkennnummer (engl. Abkürzung ISIN) ablesen. Ein Länderkürzel am Anfang der ISIN kennzeichnet es, zum Beispiel „IE“ für Irland oder „LU“ für Luxemburg.
  • ETFs, die UCITS in ihrem Namen tragen, werden in der EU aufgelegt und unterliegen der EU-Regulatorik. Für diese Fonds ist ein einheitlicher Standard gegeben.
  • Innerhalb der EU hat die Bedeutung des Fondsdomizils eher abgenommen. Viele der in Deutschland angebotenen ETFs haben auch Deutschland als Domizil.
  • Eine Sonderrolle spielen hierbei Luxemburg und Irland. Während dies bei Luxemburg auf seine gute Infrastruktur, transparente Finanzgesetzgebung und Vergangenheit als Hub für Fonds zurückzuführen ist, bietet Irland steuerliche Vorteile beim Halten von physischen Aktienanteilen aus den USA.
  • Im Großen und Ganzen sind steuerliche Vorteile aufgrund des Fondsdomizils keine primären Kriterien bei der Auswahl eines ETFs, die europäische Herkunft hingegen schon. Bei exotischen Fonds sind häufig die deutschen Steuerdaten nicht gepflegt, was zu einer erhöhten Steuerbelastung bei den Investoren führt.

ETF-Fondsdomizil erklärt

Der Ort, an dem ein ETF aufgelegt wird, wird Fondsdomizil genannt. Viele ETFs tragen bereits in ihrem Namen einen Hinweis auf ihren Herkunftsort. Der Zusatz „UCITS“ bedeutet nämlich, dass der Fonds gemäß der EU-Regularien aufgelegt wurde und betrieben wird. Das impliziert natürlich auch, dass der Fonds in einem EU-Staat beheimatet ist. Die jeweilige nationale Finanzaufsicht ist dafür zuständig, den Fonds zu beaufsichtigen. In Deutschland wäre zum Beispiel die BaFin verantwortlich. Laut dem Quartalsbericht der European Fund and Asset Management Association waren beispielsweise im 2. Quartal 2020 ungefähr 60% des in Fonds investierten Nettovermögens in Europa in UCITS-Fonds angelegt.

Ansonsten lässt sich das Fondsdomizil an der ISIN, also der 12-stelligen Internationalen Wertpapierkennnummer, ablesen. Diese ist bei jedem ETF im Factsheet zu finden. Die ersten beiden Zeichen sind ein Kürzel und stehen für das Fondsdomizil. „DE“ ist beispielsweise die Abkürzung für Deutschland und „LU“ für Luxemburg.

Vor 2018 wurden Fonds aus Deutschland übrigens steuerlich bevorzugt, weil sie als „steuereinfach“ galten. Dies ist mit der Investmentsteuerreform mit ihren Neuerungen 2018 und 2019 allerdings Vergangenheit und damit sind die Fondsdomizile steuerlich gleichgestellt.

Warum ist Luxemburg so häufig Fondsdomizil?

Dennoch ist auffällig, dass bestimmte Länder beim Scrollen durch die Listen der verfügbaren ETFs besonders oft vorkommen. Eins davon ist Luxemburg. Steuerliche Gründe spielen hierbei keine bedeutende Rolle. Viel eher ist es für die Fondsanbieter wichtig, ihren Fonds in einem Umfeld mit einer sicheren und transparenten Finanzinfrastruktur aufzulegen. Luxemburg hat sich seinen guten Ruf als Sitz vieler Fonds seit einigen Jahrzehnten erworben und bietet deswegen ETF-Anbietern eine besonders geeignete Umgebung.

Arne Scheehl von Lyxor ETF hebt in diesem Interview auch die Bedeutung von institutionellen Investoren hervor, die mit der Regulatorik in Luxemburg vertraut sind und sich deswegen viel Arbeit ersparen, dort zu investieren:

Und warum Irland?

Auch Irland ist ein bedeutender ETF-Standort. Dies ist im Gegensatz zu Luxemburg auf steuerliche Ursachen zurückzuführen. Dies gilt laut Arne Scheehl insbesondere für physisch gehaltene Aktien aus den USA und hat mit dem Doppelbesteuerungsabkommen mit den Vereinigten Staaten zu tun, aufgrund dessen leichte steuerliche Vorteile für Fonds bestehen. Diese können an die Anleger weitergegeben werden und damit als Wettbewerbsvorteil dienen.

Fondsdomizil als Entscheidungskriterium

Selbstverständlich kann das Fondsdomizil als eines von verschiedenen Qualitätskriterien herangezogen werden. Insbesondere die in Europa aufgelegten UCITS-Fonds bieten die Vorteile einer einheitlichen europäischen Regulatorik. Außereuropäische ETFs werden hingegen von Online-Brokern selten bis nie angeboten, was mit den europäischen Richtlinien zusammenhängt. Vorsicht jedoch: An manchen Börsen sind diese „exotischen“ Fonds im wenig regulierten Freiverkehr notiert.

Wenn auch ETFs mit Luxemburg oder Irland als Fondsdomizil den Markt dominieren, können in Frankreich oder Deutschland aufgelegte Fonds genauso mithalten. Als Qualitätsmerkmale sind hier vielleicht eher die Kosten (TER), die Fondsgröße oder zusätzliche Daten wie die Tracking Difference ausschlaggebend. 

Häufig gestellte Fragen

Woher erfahre ich das Fondsdomizil eines ETFs?

Was bedeutet UCITS im Namen eines ETFs?

Warum kommen so viele ETFs aus Luxemburg?

Warum kommen so viele ETFs aus Irland?

Gibt es Steuervorteile bei der Auswahl des Fondsdomizils?