ETF Replikationsmethoden im Vergleich

ETFs haben ja das Ziel, die Wertentwicklung eines Index möglichst genau nachzubilden. Mehrere Wege führen zu diesem Ziel – und die Art und Weise, wie ein ETF Wertverläufe bündelt und abbildet, nennt man die Replikationsmethode. Die Replikationsmethode beeinflusst die Kosten, die Performance und die Sicherheit eines ETFs.

Inhaltsverzeichnis

Es gibt drei verschiedene Methoden:

  • die physische (Voll-)Replikation
  • das Optimiertes Sampling
  • die synthetische Replikation (Swap-ETFs)

Physische Voll-Replikation

Physisch replizierende ETFs bilden den Index nach, indem sie (fast) alle Werte im Index einzeln kaufen. So enthalten sie im Idealfall dieselbe Mischung wie der Index, den sie zur Vorlage nehmen. Weil physisch replizierende ETFs Indizes eins zu eins nachbauen, nennt man sie vollständig replizierend oder spricht von Vollreplikation.

Beim Beispiel DAX bedeutet die physische Replikation, dass der physisch voll-replizierende ETF die 30 enthaltenen Werte mit derselben Gewichtung enthält. Wenn ein Unternehmen aus dem DAX fällt und ein anderes in den DAX aufsteigt, wird bei physischen ETFs entsprechend umgeschichtet. Dasselbe passiert bei einer Umgewichtung innerhalb des DAX. Jede solche Transaktion kostet Gebühren, die direkt vom Fondsvermögen abgehen, es fallen für dich als Anleger also keine Extrakosten an. Wie hoch die Total Expense Ratio (TER) ausfällt, hängt davon ab, wie viele Transaktionen ein ETF durchführt. Bei Nischenmärkten und schwierig abzubildenden Werten liegen die Gebühren oft höher als bei Blue Chip Werten aus dem Dow Jones oder ähnlich etablierten Indizes. Der DAX ist mit 30 Werten überschaubar, hier bleiben die Kosten niedrig. Anders ist das bei Welt-ETFs, die aus hunderten bis über tausend Werten bestehen. Deshalb sind physisch replizierende ETFs eher für kleine Indizes gut geeignet.

Die physische Vollreplikation ist nicht immer möglich – und deshalb gibt es die anderen beiden Replikationsmethoden. Für zusätzliche Einnahmen und geringe Kosten können ETF-Anbieter zusätzlich Wertpapiere verleihen. So kann es sein, dass die Rendite des ETF minimal höher ausfällt als die des Index.

Nehmen wir mal den MSCI World als Beispiel: Er bildet den Kursverlauf von über 1.600 Aktien ab. Physisch replizierende ETFs kaufen jeden dieser Werte einzeln. Dabei fallen einige Gebühren an, die eine andere Replikationsmethode reduziert – die optimierte Sampling-Methode. 

Sampling

Auch beim Sampling kauft der ETF die Wertpapiere physisch, also direkt in das Fondsvermögen. Mit einem Unterschied: Mit dem Sample (englisch für Stichprobe) trifft der Anbieter eine Vorauswahl. Man sagt auch optimiertes Sampling oder optimierte physische Replikation dazu. Statt also alle im Index vorhandenen Werte zu berücksichtigen, wird nur in die wichtigsten Werte investiert. Das wichtigste Kriterium ist die relative Gewichtung der Wertpapiere im Index. Werte, die nicht liquide handelbar sind und einen nur geringen Anteil an einem Index ausmachen, werden nicht gekauft.

Der MSCI Emerging Markets enthält zum Beispiel viele Werte, die im Index mit weniger als 0,01% gewichtet sind. Denn hier sind Aktien aus Ländern enthalten, die keinen so liquiden und zugänglichen Aktienmarkt haben wie wir in Europa. Diese Werte berücksichtigt ein ETF auf Sampling-Basis nicht, denn sie machen für den Kursverlauf im Großen und Ganzen keinen wirklichen Unterschied. So werden im Vergleich zur vollen Replikation Kosten gespart.

Manche ETFs kombinieren die physische und synthetische Replikation (s.u.): Große, liquide Werte werden physisch abgebildet und kleine, weniger liquide Werte via Swap.

Synthetische Replikation (SWAP-ETF)

Swap-ETFs bilden Indizes nicht direkt ab, sondern werden mit Finanzderivaten bestückt. Diese Derivate entstehen durch ein Tauschgeschäft mit dem Swap-Partner, in der Regel einem großen Kreditinstitut. Der ETF-Anbieter geht mit diesem einen Tauschvertrag (englisch Swap = Tausch) ein. So kann der Anbieter die Entwicklung von Indizes abbilden, die physisch nur schwer abzubilden sind, z.B. Nischenindizes oder schwer zugängliche Märkte, für die Restriktionen gelten. 

Hier ein Beispiel für einen Spezial-ETF, den man in Deutschland nur Swap-basiert erhält:

Xtrackers FTSE Vietnam Swap UCITS ETF 1C
ISIN LU0322252924, WKN DBX1AG

Man nennt das Swap-Verfahren auch synthetische Replikation, denn hier wird der Index künstlich nachgebildet – in diesem Fall durch ein Tauschgeschäft. Wie funktionieren Swap-ETFs? Es besteht ein Vertrag zwischen dem ETF-Anbieter und einem Kreditinstitut. Das Swap-Geschäft findet außerhalb der Börse statt. Die Vertragspartner betreiben ein sogenanntes Over-the-counter-Geschäft, kurz OTC-Geschäft. 

Zum Beispiel möchte Lyxor als ETF-Anbieter einen ETF auf den MSCI Russia herausgeben. Um den Index abzubilden, schließt Lyxor einen Swap-Vertrag mit seiner Muttergesellschaft Société Générale ab. Der ETF-Anbieter, in diesem Fall Lyxor, hält ein sogenanntes Trägerportfolio, das normalerweise aus einigen großen Aktienwerten oder manchmal Staatsanleihen besteht, unabhängig von den Werten, die im abzubildenden Index enthalten sind. Das Geld der Anleger wird in dieses Träger-Portfolio investiert. 

Der Vertragspartner (in unserem Beispiel: die Großbank Société Générale) garantiert dem ETF-Anbieter die Rendite des MSCI Russia Index. Doch was bekommt die Société Générale im Gegenzug dafür? Die Rendite des Träger-Portfolios! Der Unterschied zwischen den beiden Portfolios darf, laut EU-Regelung, nie mehr als 10% betragen. Wenn der MSCI World bei 100€ und das Trägerportfolio bei 110€ steht, dann muss spätestens zu diesem Zeitpunkt “geswappt” werden und der Überschuss fließt von einem Swap-Partner zum anderen. Das gilt auch umgekehrt, wenn der MSCI Russia bei 100€ steht und das Trägerportfolio bei 90€, dann muss auch da geswappt werden. Die meisten ETF Anbieter swappen aber deutlich früher, als erst bei dieser 10% Hürde.

Du kannst mit Swap-ETFs neben Welt-Indizes vor allem in Nischenmärkte und Anlageklassen wie Rohstoffe oder Geldmarkt-Zinssätze kostengünstig investieren. In der Regel bilden synthetisch replizierende ETFs einen Index im Schnitt genauer, also mit weniger Abweichungen (Tracking Difference), ab als physisch replizierenden ETFs. Allerdings besteht bei Swap-ETFs oder synthetisch replizierenden ETFs das sogenannte Kontrahenten-Risiko, das typischerweise beim Handel mit Derivaten auftritt. Und zwar immer dann, wenn eine weitere Partei (in dem Fall der Swap-Partner) beteiligt ist. Damit wird das Risiko bezeichnet, dass das Kreditinstitut, mit dem der ETF-Anbieter den Swap-Vertrag eingeht, pleite geht. Theoretisch liegt das Risiko bei maximal 10%, in der Realität aber meist wesentlich geringer. Die 10% EU-Regelung wurde eingeführt, um das Kontrahentenrisiko so niedrig wie möglich zu halten. In der Realität swappen die Tauschpartner jedoch wesentlich früher und die meisten Swap-basierten ETFs sind mit ihrem Träger-Portfolio “überbesichert”. Von einer Übersicherung spricht man, wenn der ETF-Anbieter mehr Geld als das Fondsvermögen in sehr sichere Produkte wie deutsche Staatsanleihen investiert. Du solltest also wissen, dass ein Kontrahentenrisiko besteht, es ist aber kein Grund zur großen Sorge. 

Die Kosten sind bei Swap-basierten ETFs nicht unbedingt günstiger oder teurer als bei anderen Replikationsarten. Seit der Reform 2018 sind Swap-ETFs für Privatanleger in Deutschland steuerlich genauso einfach zu handhaben wie physisch abbildende ETFs. Bei Swap-basierten ETFs werden keine Dividenden ausbezahlt (sondern fließen ins Tauschgeschäft ein), sodass Swap-ETFs für institutionelle Anleger in manchen Fällen steuerliche Vorteile bringen.

Welche Replikationsmethode ist die beste?

Die gute Nachricht: Du kannst nicht viel falsch machen. Die Replikationsmethoden haben wenig Einfluss auf die ETF-Performance. Weil sie Indizes so genau abbilden, sind physisch replizierende ETFs eine gute Wahl. Viele Anleger schrecken vor Derivaten zurück, erst recht nach der Lehman-Krise. Diese Angst ist nachvollziehbar, aber oft unbegründet. Wer in Nischenmärkte investieren will, kommt um Swap-ETFs teilweise nicht herum. Bei Swap-ETFs besteht ein Kontrahentenrisiko – der Vertragspartner des ETF-Anbieters könnte theoretisch pleite gehen. Gut zu wissen: ETFs und auch die zugehörigen Trägerportfolios sind in Deutschland Sondervermögen. Die ausstehende Swap-Differenz jedoch nicht: Du könntest im Worst Case die ausstehende Swap-Rendite verlieren. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist, solltest du prüfen, welche Sicherheiten der ETF deiner Wahl hinterlegt hat. 

Was die Steuern angeht, fallen bei physisch und synthetisch replizierenden ETFs nach der Inform des Investmentsteuergesetzes 2018 ähnliche Abgaben an. 

Übrigens: Du findest die Replikationsart eines ETF im zugehörigen Datenblatt.

Replikationsarten im Vergleich

ReplikationsmethodeBeschreibungTypische AusschüttungsartAnwendungsbeispiele
Physische VollreplikationDer Index wird mit all seinen enthaltenen Werten in derselben Gewichtung abgebildetausschüttend oder thesaurierendGeringe Anzahl an Bluechip Wertpapieren: DAX, EuroStoxx 50, Dow Jones 30
Optimierte Sampling (=physisch)Der ETF bildet den Index mit einem Sample, also einer Auswahl der wichtigsten Index-Werte, abausschüttend oder thesaurierendGrößere Anzahl an Bluechips: MSCI World, MSCI Emerging Markets
Swap-basiert (=synthetisch)Der Index wird über Tauschgeschäfte (Swaps) abgebildetüberwiegend thesaurierendNischenmärkte und Spezial-ETFs: MSCI Russia, FTSE Vietnam,, MSCI Emerging Markets, Leverage oder short ETFs 

Häufig gestellte Fragen

  • Welche ETF Replikationsmethoden gibt es?

    ETFs können direkt, also physisch, repliziert werden oder indirekt, also synthetisch. Die physische Replikation erfolgt als Vollreplikation oder Sample-Replikation. Die synthetische Replikation erfolgt per Swap-Verfahren, also als Tauschgeschäft.

  • Was ist ETF Sampling?

    Bei der Replikationsmethode des Samplings trifft der ETF-Anbieter mithilfe von Algorithmen eine Vorauswahl der Werte. Sie bietet sich für Indizes an, die sehr viele Werte enthalten, z.B. den MSCI World.

  • Was sind Swap-basierte ETFs?

    Beim Swap-Verfahren wird der Index synthetisch repliziert, indem der ETF-Anbieter ein Tauschgeschäft mit einem Kreditinstitut eingeht. Das Kreditinstitut garantiert die Rendite des Index und erhält im Gegenzug die Rendite des Trägerportfolios.

  • Welche Replikationsmethode ist die beste?

    Physisch replizierende ETFs bilden den Index am genauesten nach und sind für dich als Anleger meist am besten nachzuvollziehen. Für ETFs mit sehr vielen Werten ist die physische Replikation via Sampling geeignet. Nischenmärkte und Rohstoffe bilden Swap-basierte ETFs gut ab, hier gibt es aber ein (geringes) Kontrahentenrisiko.