SWAP ETF einfach erklärt!

ETFs sind eine der beliebtesten Anlagevehikel, wenn es um Vermögensaufbau oder Altersvorsorge geht. Viele Deutsche besparen mittlerweile einen ETF um sich so vor der drohenden Altersarmut zu schützen oder einfach um so früh wie möglich gute durchschnittliche Renditen ohne hohen Zeitaufwand zu erzielen. Es gibt einige Kriterien die man beachten muss, bevor man einen ETF kauft, ein Kriterium ist aber sicherlich, ob der ETF den man besparen möchte, ein Physisch replizierender oder ein Swap-basierter ETF ist. Ein ETF bildet einen Index ab, um das zu tun, gibt es für die Anbieter der ETFs verschiedene Möglichkeiten.

Physische Replikation von ETFs

Schauen wir uns zuerst einmal die physische Replikation genauer an, bei dieser Art der Replikation kauft die Gesellschaft, die den ETF anbieten will, genau die selben Aktien die im Index enthalten sind. Möchte eine ETF Gesellschaft beispielsweise einen Dax-ETF herausbringen, so ist das sehr leicht, da die Aktien im Dax große und sehr liquide Unternehmen, sogenannte Blue-Chip Aktien, sind.

Wenn man aber einen Index wie den MSCI Emerging Markets abbilden will, so ist diese Form der Replikation etwas komplizierter, denn darin sind nicht nur große und liquide Unternehmen enthalten, sondern auch kleinere Unternehmen, die an Börsen gehandelt werden die ebenfalls nicht sonderlich liquide sind.

Abgesehen von der Schwierigkeit solche Indizes abzubilden, ist eine physische Replikation dieser Indizes auch häufig mit hohen Transaktionskosten verbunden. Aus diesem Grund wurde die Swap-basierte Variante entwickelt.

Swap-basierte ETFs

Bei einem Swap gibt es zwei Parteien, die zusammen einen Tauschvertrag ausmachen.

Eine Partei ist der ETF Anbieter, zum Beispiel Comstage, und die andere Partei ist der Swap Partner.

Im Fall der Comstage ist das die Konzernmutter, und zwar die Commerzbank. Es ist oft so, dass die ETF Gesellschaften mit ihren Mutterkonzernen tauschen, wie auch die Deutsche Bank der Tauschpartner von db X-Trackers ist, also dem ETF Herausgeber der Deutschen Bank.

Der ETF Anbieter hält ein sogenanntes Träger Portfolio. Das Geld, welches die Gesellschaft nun von seinen Anlegern einsammelt, wird in genau dieses Träger Portfolio investiert.

Dann gibt es noch den Partner des Swaps, der versichert, die Rendite des Index, den man abbilden möchte, zu zahlen. Gehen wir einfach einmal von dem MSCI World Index aus.

Nun schließen die Comstage und die Commerzbank ein Tauschgeschäft, welches nicht über die Börse abgewickelt wird, sondern das ist ein OTC Geschäft, was Over The Counter heißt, also ein individuell ausgehandelter Vertrag ist. In diesem Vertrag schließen beide Parteien die Einigung, dass der Tauschpartner – in diesem Fall die Commerzbank – die Rendite des Träger Portfolios erhält.

Dafür bekommt die Comstage die Rendite des MSCI World Index von der Commerzbank. Nehmen wir an, dass beide Portfolios, also das Träger Portfolio und der MSCI World Index, einen Wert von 100€ haben.

Wenn der MSCI World nun um 4% steigt und jetzt bei 104€ steht, das Träger Portfolio allerdings bloß um 2% steigt, daher jetzt bei 102€ steht, erhält die Comstage von der Commerzbank 4€ und die Commerzbank von der Comstage 2€. Das kann sich aber auch umgekehrt entwickeln, sodass der MSCI World um 2% steigt, womit er bei 102€ steht, das Trägerportfolio aber steigt um 4% und steht nun bei 104€, so zahlt die Comstage 4€ an die Commerzbank, jedoch bezahlt die Commerzbank nur 2€ an die Comstage. Als Anleger erzielst du dadurch immer die Rendite, die der Index den du kaufen möchtest, abbildet.

Die ETF Gesellschaft hat somit den Vorteil, auch sonst kompliziertere Indizes abzubilden und die Rendite von Aktien erhalten kann, die aus Nischenmärkten stammen und dadurch nur sehr schwer zugänglich sind. Oder nur dann zugänglich wären, wenn hohe Transaktionsgebühren gezahlt werden würden.

Transaktionskosten

Die Transaktionskosten spielen bei ETFs eine wichtige Rolle, da sie das Tracking Error erhöhen. Das Tracking Error beschreibt, die Differenz zwischen der Kursentwicklung des ETFs und der Kursentwicklung des Indexes.

Der Index, der abgebildet wird entwickelt sich häufig besser, als der ETF, da der Index keine Transaktionsgebühren oder Steuern zu zahlen hat. Der ETF muss seinen eigenen Broker bezahlen und er muss Börsenplatzgebühren zahlen, auch werden an einigen Stellen Steuern fällig.

Der ETF Anbieter möchte die Gebühren deshalb so niedrig wie möglich halten, um der Index bestmöglich abbilden zu können. Um die Gebühren so niedrig wie möglich zu halten, sind Swap Geschäfte sehr nützlich.

Trägerportfolio

Ein solches Trägerportfolio, von dem der Swap Partner die Rendite erhält, kann unterschiedlich aussehen.

Um bei dem Beispiel mit der Comstage zu bleiben, schauen wir uns einmal an, wie das Trägerportfolio eines MSCI World ETFs der Comstage denn aussieht. Im Jahresabschluss des ETFs ist zu sehen, dass in dem Trägerportfolio sehr viele Aktien großer und liquider Unternehmen, wie Adidas oder der Allianz, enthalten sind.

Dieses Portfolio dient der Commerzbank als Tauschportfolio, da es die Rendite aus diesem Portfolio erhält und die Comstage dahingegen die Rendite des MSCI World Indexes erhält.

Der Zeitpunkt des Swaps

Der Unterschied zwischen den beiden Portfolios darf, laut EU-Regelung, nie mehr als 10% betragen. Wenn der MSCI World bei 100€ und das Trägerportfolio bei 110€ steht, dann muss spätestens zu diesem Zeitpunkt geswappt werden.

Das gilt auch umgekehrt, wenn der MSCI World bei 100€ steht und das Trägerportfolio bei 90€, dann muss auch da geswappt werden.

Die meisten ETF Anbieter swappen aber deutlich früher, als erst bei dieser 10% Hürde. Die 10% EU-Regelung wurde eingeführt, um das Kontrahentenrisiko so niedrig wie möglich zu halten.

Kontrahentenrisiko

Das Kontrahentenrisiko ist das Risiko, dass man ein Swap Geschäft abgeschlossen hat, aber der Swap Partner nicht mehr da ist weil er pleite geht. Durch die Regelung, kann das Trägerportfolio nur maximal 10% schlechter sein als das Swap Geschäft, wodurch du einen Verlust von höchstens 10% haben kannst.

Um das Kontrahentenrisiko zu senken, kann der Swap Partner eine Sicherheitsleistung hinterlegen. Diese Sicherheitsleistungen können hochrangige, deutsche Staatsanleihen sein. Diese Sicherheit kann die Summe, des Fondsvermögens übersteigen und so für eine Überbesicherung sorgen.

Man kann diese Besicherung in drei Stufen unterscheiden:

  • Unfunded Swaps, dort ist keine Sicherheitsleistung des Partners hinterlegt
  • Funded Swaps, hier ist eine Sicherheitsleistung hinterlegt
  • Fully-funded Swaps, wo die Sicherheitsleistung in der gesamten Höhe des Swap Geschäftes hinterlegt ist und sogar bis zu 30% darüber hinaus, der sogenannten Übersicherung

Fazit und der Vergleich mit physisch replizierenden ETFs

Physisch replizierende ETFs kaufen alle Aktien, die tatsächlich im Index enthalten sind. Sie können Wertpapierleihe betreiben, können diese Wertpapiere also an andere verleihen und dadurch ein wenig Geld verdienen.

Swap-basierte ETFs replizieren einen Index, indem sie ein Tauschgeschäft abschließen. Dieses Geschäft wird mit dem Trägerportfolio, welches aus zufällig ausgewählten Aktien besteht, besichert.

Ein Swap Geschäft wird durchgeführt um

  • schwierige Märkte abzubilden
  • Kosten zu sparen

Swap ETFs sind aber nicht grundsätzlich billiger als physisch replizierende ETFs, sondern man muss da ein wenig vergleichen. Das Kontrahentenrisiko, also dass der Partner insolvent geht, wird durch die Hinterlegung von Sicherheiten reduziert. Das Kontrahentenrisiko beläuft sich in der Regel auf maximal -2% bis -4%.

Es gibt aber auch Mischformen aus der physischen Replikation und Swap-basierten ETFs. Bei der Abbildung eines Indexes werden dann die großen und liquiden Werte physisch gekauft und die etwas komplizierteren Werte werden geswappt.